Wasserprojekte


WASH in Haiti

12.01.2011: Viva con Agua hilft der Karibik-Insel

Derzeitiger Stand der Wasserversorgung auf Haiti

Derzeitiger Stand der Wasserversorgung auf Haiti

Zwischenbericht für das Haiti-Projekt, Stand November 2011

Anlässlich des Jahrestages der Erdbeben-Katastrophe auf Haiti freut sich Viva con Agua, einen Beitrag für den Wiederaufbau des Landes zu leisten.

Unser Partner, die Welthungerhilfe baut erdbeben- und hurrikansichere Wohnhäuser mit integrierter WASH-Komponente (WASH=Water, Sanitation and Hygiene), das heißt konkret: Die Sicherstellung der Versorgung mit sauberem Trinkwasser sowie den Zugang zu sanitären Anlagen.

Hintergrund

Das Erdbeben am 12.01.2010, bei dem etwa 230.000 Menschen umkamen, und 1,5 Millionen Menschen obdachlos wurden, zerstörte 188,383 Häuser - 105,000 davon komplett.Oftmals sind die Besitzverhältnisse jedoch nicht schnell zu klären, Grundbuch- und Katasterämter sind kaum existent und durch das Erdbeben teilweise zusätzlich in ihrer bereits beschränkten Funktionsfähigkeit beeinträchtigt. Auch der Aufbau im städtischen Bereich wird durch die Ressourcenknappheit an Boden und die unsichere Rechtslage der Besitzverhältnisse der städtischen und stadtnahen Flächen stark behindert. Angesichts der Anzahl an Obdachlosen stehen auch nicht genügend Gelder für den Aufbau von permanenten Häusern zur Verfügung. Da die Menschen schnellstmöglich ein Dach über dem Kopf brauchen, ist der Aufbau von permanenten Häusern deshalb zunächst keine Option.

 

Das Häuserbauprojekt

Deshalb hat die Welthungerhilfe in enger Zusammenarbeit mit dem Haiti Shelter Cluster (ein Koordinationsforum der Hilfsorganisationen) ein Konzept zum Bau von Einfachbauhäusern entwickelt, welches die Menschen vor klimatischen Einflüssen (besonders in der Regen- und Wirbelsturm-Saison) und vor den in Haiti besonders häufigen Naturkatastrophen schützen wird. Durch die Herstellung der Häuser vor Ort, dem damit vermittelten Wissenstransfer und der Nutzung lokaler natürlicher Ressourcen (Holz/Bambus) wird das Projekt dem Anspruch auf Nachhaltigkeit gerecht.

In Grand Goave werden 200 Familien ein erdbeben- und hurrikansicheres Haus erhalten. Die entsprechenden Familien werden nach Vulnerabilitätskriterien ausgewählt, das heißt, dass beispielsweise Familien mit alleinerziehenden Müttern, Waisen und Witwen bevorzugt werden. Dennoch zielt das Projekt darauf ab, alle Familien, die im Projektgebiet ihr Haus durch das Erdbeben verloren haben und bereit sind, sich am Projekt zu beteiligen, einzubeziehen. Jede der Familien, die ein solches Haus erhält, beteiligt sich am Hausbau. So sind die Menschen eingebunden, können ihre Verbesserungswünsche einbringen und werden nicht fremdbestimmt.

Weitere Wirkungen/ Besonderheiten des Projektes

Lokale Handwerker und Ingenieure werden darin trainiert, erdbeben- und hurrikansicher zu bauen, das heißt, es wird ein Beitrag dazu geleistet, die Bautechniken in Haiti dauerhaft -auch über die eigentliche Projektlaufzeit hinaus zu verbessern und sicherzustellen, dass die in der neuen Bauweise errichteten Häuser einer möglichen zukünftigen Naturkatastrophe standhalten. Hier werden auch die Berufsschüler einer Schule in Jacmel eingebunden, die von der Welthungerhilfe wieder aufgebaut wird.
Die lokale Bevölkerung wird über die Risiken von Naturkatastrophen (Erdbeben, Hurrikan etc.) aufgeklärt und darin geschult, besser auf solche vorbereitet zu sein und reagieren zu können.Das zum Bau benötigte Holz wird zum Teil aus Kooperativen aus der Dominikanischen Republik geliefert. Das Holz stammt aus nachhaltigem Anbau aus einem früheren Welthungerhilfeprojekt zur Wiederaufforstung. Das Projekt trägt also dazu bei, die Süd-Süd-Kooperation zwischen den beiden Nachbarländern zu stärken und den Wissens- und Erfahrungstransfer zu fördern. Außerdem baut die Welthungerhilfe schon jetzt im ländlichen Gebiet um Petit Goave durch die Partnerorganisation Concert Action 30 weitere Häuser.

Die WASH-Komponente

Zusätzlich zu den reinen Baumaßnahmen, wird die Welthungerhilfe für die Bewohner der Häuser die Versorgung mit Wasser sowie den Zugang zu sanitären Anlagen sicherstellen. Die Bereitstellung sanitärer Anlagen (Latrinenbau) wird entweder durch einen Alliance2015 Partner der Welthungerhilfe, oder eine im WASH-Cluster der UN vertretene, auf den Bereich spezialisierte Organisation erfolgen.
In der Projektregion rehabilitiert die Welthungerhilfe insgesamt zwanzig Trinkwasserquellen, zusätzlich sollen die Häuser mit 1.500l-Wassertanks zum Sammeln von Regenwasser über die Dächer der Häuser ausgestattet werden. Ausgehend von der regional üblichen Niederschlagsmenge können die Tanks zweimal im Monat komplett gefüllt werden. Das so gesammelte Regenwasser entspricht dem durchschnittlichen Bedarf der Familien und kann von ihnen zum Waschen (Kleidung, Geschirr, Körper) sowie zum Bewässern von kleinen Gemüsegärten genutzt werden. Nach einer entsprechenden Aufbereitung des Regenwassers (z.B. Filterung, Chlorung) kann das gesammelte Regenwasser im Bedarfsfall sogar als sicheres Trinkwasser genutzt werden.

Regional angepasste Lösungen und kulturelle Akzeptanz sind wesentliche Voraussetzungen dafür, dass die Wasserversorgungssysteme und sanitäre Einrichtungen auch genutzt werden. Intensive Aufklärungsarbeit und Hygieneschulung gehören dabei zu den Hauptaufgaben der Maßnahme. Nur wenn die problematischen Zusammenhänge zwischen fäkalen Verunreinigungen von Trinkwasser und Nahrungsmitteln einerseits und Durchfallerkrankungen andererseits verstanden werden, wird es über eine Änderung des Verhaltens letztendlich gelingen die hohe Kindersterblichkeit zu verringern und die Gefahr einer weiteren Cholera-Epidemie einzudämmen.

Der Beitrag von Viva con Agua

Durch die Spende von Viva con Agua können die 200 Häuser mit einen Regenwasser-Sammel-System auf den Dächern ausgestattet werden. Hierbei wird das Regenwasser von den Dächern aufgefangen und in 1,5m³ Tanks (1.500 Liter) gesammelt.Die Welthungerhilfe hat diese schon erfolgreich an einem nördlichen Standort in Haiti installiert und kann so von guten Erfahrungen profitieren.
Eine weitere Komponente dieser Maßnahme wären Trainingseinheiten, in denen die Zielgruppe lernt, wie man die Dächer sauber hält, wie Reinigungstabletten genutzt werden, um das Wasser trinkbar zu machen, sowie wie man die Tanks unterhält.Eine Einheit kostet inklusive aller Implementierungs-Kosten insgesamt ca. 500 US$. Für 100.000 US$ (umgerechnet 75.000 Euro) können also alle Häuser ein solches Regenwasser-Sammel-System erhalten.

Außerdem kann durch die Spende eine Wasserquelle rehabilitiert werden, welche der Zielgruppe zusätzlichen Zugang zu Trinkwasser verschaffen würde. Durch die Instandsetzung werden die Quellfassungen verstärkt, um gegen äußere Einflüsse besser geschützt zu sein. Zusätzlich werden diese technisch verbessert, um vor Kontaminierung geschützt zu sein. Diese Maßnahme kostet insgesamt 4.500 US$ (umgerechnet 3.377 Euro). Durch sie kann sichergestellt werden, dass die Bewohner der neuen Häuser das Regenwasser nicht nur zum häuslichen Gebrauch, sondern auch zur Bewässerung von kleinen Gärten nutzen könnten.

Die Menschen im Projektgebiet werden mit den Wassertanks ausgestattet, sobald die Häuser fertig gestellt sein werden - wir halten euch auf dem Laufenden!

Christian Wiebe
Viva con Agua