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Zehn Tage WASH Social Art Festival – ein Rückblick
 

Das WASH Social Art Festival ist vorbei – zehn Tage, dreizehn Künstler, hunderte Sprühflaschen. Eine Mission: Überragende Streetart schaffen und damit Geld sammeln für Wasserprojekte der Welthungerhilfe in Äthiopien.

Wer letzte Woche durch das Schulterblatt spazierte, der wunderte sich über die vielen blauen Farbkleckse auf den Gehwegen. Wer ihnen folgte, gelangte zur Nummer 36: Und in die 660qm großen Räumlichkeiten des Social Art Festivals in einem leerstehenden Bürotrakt. Spätestens beim Eintreten durch die Glastür, die das Image einer auslaufenden Waschmaschine zeigt, wird das Bewusstsein des Besuchers auf das Thema des Kunstfestival gelenkt: Es geht um Wasser und es geht um die Thematik WASH: Water, Sanitation and Hygiene. Drei Dinge, die in vielen ärmeren Ländern der Welt fehlen und für Krankheit und Armut verantwortlich sind. "Das WASH Social Art Festival soll zum Nachdenken über Wasser und Wasserknappheit anregen", so Initiatorin Dannie Quilitzsch von der Veranstaltungsagentur GOODevents, "und natürlich dazu beitragen, Spendengelder zu sammeln, damit jeder Mensch Zugang zu sauberem Trinkwasser hat".

 

Dieses Ziel stieß nicht nur in den Medien auf große Resonanz, auch die Ausschreibung der Teilnehmerplätze für Streetart-Künstler sprach sich schnell in der internationalen Kunstszene herum. Von den vielen Bewerbungen wurden schließlich die 11 besten durch ein offizielles Online-Voting bestimmt und die Artists zum Festival eingeladen.

"It's great to have the chance to participate", meint Alaniz aus Argentinien, einer der auserwählten Teilnehmer, der in Berlin eine eigene Ausstellung hat. Neben ihm kamen zehn weitere Artists für das Festival nach Hamburg: die Gruppe Klub7 aus Berlin, Shamsia aus Afghanistan, Zezao aus Argentinien, NAF aus Peru, Dhear aus Mexiko, Tika aus der Schweiz, Billy aus England, Sago aus Italien, Bitte alles ändern aus Halle und MittenimWald aus Hamburg.

Die Räume des Festivals sind mit meterlangen Holzwänden bestückt. Sie bestehen aus zusammengefügten Holzteilen und -türen, damit sie transportierbar sind. Jeder Künstler hat seinen Raum und eine eigene Wand. Alaniz schaut grinsend zu seiner Wand, die mehr als 6 Meter misst. "The more space, the better for an artist!" ruft er. Die anderen lachen. Später wird Essen bestellt, die Camp-Küche ist voll: Es wird gegessen und gequatscht, auf Deutsch, Englisch und Spanisch.

Zwischen Sprühdosen und leeren Kaffeebechern kann man innerhalb der nächsten Tage sehen, wie die Künstler an ihren Wänden arbeiten. Es wird gewerkelt, gesprüht und gemalt, was das Zeug hält. Mit Schutzkleidung, teilweise mit Gasmasken stehen die Künstler vor ihren Wänden und sprühen.

24/7 sind Künstler und Helfer des WASH Camps im Einsatz. Tagsüber ähnelt das Camp einem Bienenstock. Die Artists sprühen und schaffen, Besucher gehen ein und aus, bummeln durchs Camp, werfen den Künstlern einen Blick über die Schulter. Fernsehteams machen Interviews und Beiträge. Abends wird es wieder leerer, doch Alaniz und die anderen machen weiter. Es wird Wein geholt vom Kiosk, getrunken, gelacht, wieder gesprüht, rausgegangen, kurz geschlafen, am nächsten Morgen weiter gearbeitet. In den Fenstern von Schulterblatt 36 brennt jeden Tag bis spät abends das Licht. Die Wände werden bunter, die Streetart-Werke wachsen. Genau wie die Augenringe ihrer Schöpfer. Wenig Schlaf und viel machen, lautet die Devise. Schließlich wollen auch die Parties und Konzerte, die jeden Abend im Rahmen des Festivals stattfinden, mitgenommen werden.

Auch Christian von Klub7 lässt sich keine Party entgehen: "Nur noch wenige Tage, dann heißt es: back to real life." Real life, das ist das Leben nach dem Camp: das, in dem jeder wieder in seiner Heimat ist, einen Job macht, Aufträge erfüllt oder Uni-Seminare besucht. Die Künstler stecken in den unterschiedlichsten Lebensphasen.

Alle sind sich der einmaligen Chance bewusst, an einem ebenso innovativen wie sozial wertvollen Festival teilzunehmen. Sie schaffen mit Herz und Hand, denn sie wissen, was von ihren Werken abhängt. Schließlich wird das Geld dazu gebraucht, Wasser-Projekte der Welthungerhilfe in Äthiopien zu realisieren, eines der wasserärmsten Länder der Erde. An den letzten beiden Tagen geben alle noch einmal Gas: die Künstler verbringen Tag und Nacht im Camp. Kurze Zigaretten-Pausen auf dem Dach des Gebäudes, ein schneller Happen aus der Küche, und weiter geht’s. Kaffee wird zum Überlebenselixier.

Und dann ist er da: der letzte Tag. Die Finissage. Es wurde gearbeitet bis zum Schluss, und es hat sich gelohnt. Die Werke sind fertig: sie sind groß, sie sind unique, sie leben. Es gibt erste Kaufinteressenten, Publikum und Presse sind begeistert. Die Mission wurde erfüllt! 10 Tage WASH-Festival: Das waren nicht nur intensive Tage voller Schaffen und Sprühen, voller Begegnungen und Events, es waren Tage mit Tiefgang. Viele Menschen wurden für die Thematik Wasser sensibilisiert, und zugleich zum Spenden animiert. Das Art Festival hat gezeigt: beides geht und lässt sich verbinden durch Kunst.

Was die Artists des WASH Camps geleistet haben, kann sich sehen lassen: Auf www.washfestival.com und ab dem Weltwassertag am 22.03.2012 auch in der Millerntor-Gallery.

 

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