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Am Wasserkiosk gibt es gegen ein geringes Entgelt das kostbare Nass
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Wasserkiosk 2
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Zisterne zum Speichern von Wasser
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Reisecrew in vollständiger Besetzung
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Trink' Wasser für Trinkwasser!

Wasserprojekte


Projektreise Äthiopien: Wo Alltag überleben heißt

April 2012: Hamburger Unterstützer rund um den FC St. Pauli besuchten mit Viva con Agua und der Welthungerhilfe e.V. Wasserprojekte in Äthiopien, um direkt zu erleben, was Hilfe leisten kann

 
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Neuer Brunnen in Äthiopien: Endlich fließt sauberes Wasser
Erstaunen – eine passende Gemütsregung bei der Vorstellung dieser zwölfköpfigen Reisegruppe, die sich eine Woche per Bus durch Äthiopiens Hochland schlängelte. Jeden Tag ging es für Funktionäre, Geschäftsführer, Fans, Aktivisten, Kreative, EntwicklungshelferInnen auf Auswärtsfahrt, verbunden nur durch zwei Themen: Viva con Agua und den FC St. Pauli. Die nimmermüden Aktionisten von Viva con Agua luden zu einer, von jedem selbstfinanzierten, Projektreise und brachte indirekt verbundenen Menschen unter einen Hut, die diese Enthusiasmen teilen.

Weit weg von zu Hause, wo die ständige Erreichbarkeit und Kommunikationsabhängigkeit so manches mal die wesentlichen Dinge in den Hintergrund drängen. So kam es auch in den ersten Tagen immer wieder zu hektischen internetabhängigen Verbindungsversuchen mit der Heimat, die sich im Laufe der Zeit durch die Erkenntnis abschwächte, einfach mal nicht erreichbar zu sein.

So konnte der Blick auf die Bewohner eines Landes gerichtet werden, die ihr Glück und ihren Reichtum viel näher an der Natur verorten, als wir dies könnten, wenn zum Beispiel die Sonne zur richtigen Zeit den richtigen Ort bescheint – oder eben Wolken die Sonneneinstrahlung vermindern. Ein gängiges, aber realistisches Klischee. Ebenso schwer vorstellbar wie die unfassbar dankbaren Menschen, die den Reisebus mitsamt seiner schrägen Gruppe mit Schildern, Blumen und Transparenten begrüßten, um sich für die realisierten Brunnen- oder Wasserreservoir-Anlagen zu bedanken.

Die Reisegruppe entgegnete die Dankbarkeit bei einem Fußballspiel in 3000 Meter Höhe und verlor wohl gern mit 1:0 gegen eine äthiopische Schülermannschaft, oder war sie fußballerisch wirklich so schwach? Das spätere 2:0 gegen äthiopische Wasserprojektmitarbeiter und Lehrer relativierte den Auftritt allerdings schnell. Bringt man diese beiden Dinge, den Fußball (St. Pauli) und die realisierten Projekte durch Viva con Agua zusammen, sind mindestens zwei Eindrücke geblieben: Sich vor Augen zu führen, was mit den Mitteln von Viva con Agua tatsächlich teilfinanziert umgesetzt wird, ist vor Ort viel intensiver wahrnehmbar. Und das Entwicklungszusammenarbeit auf einem Konzept der Selbstverwaltung umgesetzt wird, welches einem Fußballverein wie dem FC St. Pauli auch in Teilen gut zu Gesicht stehen würde. Aber lassen wir die Mitreisenden ihre Eindrücke zusammenfassen:

  Felix Grimm, Produzent „Das Ganze Stadion“:

Menschen den Zugang zu sauberem Wasser zu ermöglichen ist natürlich erstmal ein total unterstützenswertes Ziel. Es kommt aber immer auf das WIE an. Ich glaube, es gibt immer wieder und vor allem auch in Afrika - ja wie soll ich es nennen - westliche, altruistische Ansätze, die dazu führen, dass den Leuten vor Ort nicht mit dem nötigen Respekt begegnet wird. So nach dem Motto: "Wir kommen jetzt mal und zeigen Euch wie das hier geht."

Den Eindruck hatte ich auf unserer Reise nicht. Fast vier Wochen danach - und nach einigen Gedanken und Gesprächen über Entwicklungszusammenarbeit generell - denke ich, dass es eben toll war zu sehen, dass die Leute in den Dörfern sehr früh in die Projekte eingebunden sind und Ihnen somit auch die Rolle als Bittsteller und/oder Opfer erspart bleibt. Wahrscheinlich die beste Form der Hilfe zur Selbsthilfe.

  Ion Linardatos, Inhaber Agentur Straub & Linardatos GmbH:

Äthiopien – dieses magische Land. Nach fast vier Jahrzehnten besuchte ich das erste Mal wieder den Ort meiner Geburt und meiner ersten Lebensjahre. Und es bedurfte einer besonderen Motivation, nach so vielen Jahren wieder nach Äthiopien zu fahren und diese Motivation gab mir Viva con Agua und meine große Leidenschaft, der FC St Pauli. Genau dieser Dreiklang hat die Reise für mich so besonders gemacht.

Was mir vor Ort sehr bewusst wurde, war, wie sehr eigentlich Länder, Organisationen und Vereine eigentlich von Menschen geprägt werden. Ich bewundere die Äthiopier, die trotz ihrer schwierigen wirtschaftlichen, politischen und persönlichen Situation nie ihren Stolz verlieren. Ich bewundere die uneigennützige Leidenschaft, mit der alle Mitarbeiter von Viva con Agua und allen äthiopischen Partnerorganisationen ihren Job verrichten. Und ich bin stolz darauf, Mitglied und Fan des FC St Pauli zu sein, der das verbindende Element für so unterschiedliche Menschen sein kann. Sehr beeindruckend war für mich die Arbeit von VcA vor Ort. Ich habe begriffen, dass es nicht nur um Brunnen geht, sondern um viel mehr: Um Erziehung, um Nachhaltigkeit und immer auch um Menschen. Entwicklungszusammenarbeit ist ein komplexes Gebilde mit vielen unterschiedlichen Facetten und VcA denkt und handelt entsprechend.

André Schulten, Geschäftsführer broenneke:

  Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Kein Zeuge ist besser als die eigenen Augen. Das kann ich nur bestätigen. Als ich klein war dachte ich immer, dass Äthiopien eine Wüste sei und die Menschen unglücklich. Nach der Reise weiss ich, dass Äthiopien ein wunderschönes, aufregendes, aber armes Land ist. Reich sind die Menschen an Gastfreundschaft, an Freude und Dankbarkeit, denn ein Brunnen, der durch Viva con Agua ermöglicht wurde, zaubert den Menschen nicht nur ein Lächeln ins Gesicht, sondern erzeugt eine unfassbare Dankbarkeit und es macht sie glücklich. Das konnte ich mit eigenen Augen erleben, dafür bin ich sehr dankbar. Eine bewegende Reise, die einen nur bestärkt, Viva con Agua weiter zu unterstützen, mehr noch als zuvor, denn es ist gut, was da passiert.

  Patrick Rüther, Geschäftsführer Bullerei:

In einem Land, welches so offensichtlich arm ist, so viele offene und herzliche Menschen mit Stolz und Würde zu treffen, war beeindruckend. Auch das Engagement der jeweiligen Dorfbewohner beim Bau der Brunnen und Wasserzapfstellen. Ein besonders gutes Gefühl gab mir die Art, wie die Welthungerhilfe und Viva con Agua dort Projekte organisieren und betreiben. Ausschließlich am Wohl der Communities und nach deren Angaben durchgeführt. Kostenbewusst und nicht im geringsten verschwenderisch umgesetzt. Ehrlich, authentisch und ausschließlich auf die Bedürftigen zugeschnitten. Nicht zu vergessen die sehr harmonische und lustige Reisegruppe.

Sven Brux, Organisationsleiter und Sicherheitsbeauftragter FC St. Pauli:

  Ich bin nach dieser eindrucksvollen Reise immer noch geplättet und nun mehr denn je davon überzeugt, dass das hier eingesammelte Geld von VcA und seinen Partnern vor Ort auch so verwendet wird, dass es den Betroffenen unmittelbar zugutekommt. Das System unter Einbeziehung der örtlichen Communities ist einfach klasse.

Henning Heide, Fotograf:

Entwicklungszusammenarbeit hat berechtigt einen schweren Stand bei uns. Zu wenig transparent und durchschaubar mutet es an und in den letzten Jahren gab es immer wieder Meldungen über dubiose Einrichtungen, bei denen Geld verschwand. Der Ruf westlicher Hilfe hat also eher gelitten und die mangelnde Kontrolle schien für viele als angenehme Ausrede zu dienen, gar nicht mehr über Unterstützung nachzudenken.

Die Arbeit von Viva con Agua, insbesondere aber unsere Reise nach Äthiopien, hat mir gezeigt, wie nachhaltige und sinnstiftende Entwicklungszusammenarbeit aussieht. Bei unseren Besuchen von bereits abgeschlossenen und dennoch sehr gut laufenden Projekten wurde deutlich, dass VcA mit der Welthungerhilfe eher auf das Initiieren von Projekten setzt und ein Fortbestehen durch die Menschen vor Ort gewährleistet. So entfallen dauerhafte Kosten und die Dorfbewohner werden integriert und begreifen die Starthilfe eher als "ihr Projekt". Manchmal kann es so einfach sein...

Dr. Bernd-Georg Spies, Vizepräsident FC St. Pauli

„Ich habe mich sehr geehrt gefühlt, als ich die Einladung von Viva con Agua bekam. Eine Sekunde zögert man sicher: Eine ganze Woche weg, Äthiopien, hardship. Ich habe mir die Wasserversorgung in diesem Land erst mal ganz abstrakt vorgestellt. Vor Ort bekommt man den Eindruck, dass alle Frauen und Kinder ausschließlich damit beschäftigt sind, Wasser in gelben Kanistern zu holen,“ beschrieb Dr. Bernd-Georg Spies seine ersten Empfindungen.

Michael Meeske, Geschäftsführer FC St. Pauli

„Die Reise war mehr als beeindruckend. Man empfindet Demut und vieles erlangt eine ganz neue Bedeutung: „Was macht einen selbst zufrieden und was macht andere Menschen zufrieden?“ In den Dörfern wird von der Welthungerhilfe und Viva con Agua Hilfe zur Selbsthilfe gegeben. In Local Committees wird im Dorf dafür gesorgt, wie und wann Wasser verteilt wird. Die Menschen dort müssen eigens Verantwortung tragen.“

Benjamin Adrion, Viva con Agua

„Die Entstehung, die Entwicklung und die Zukunft von Viva con Agua wäre ohne den FC St. Pauli nicht möglich gewesen. Es ging damals nach der Gründung auch darum, eine Plattform zu schaffen. Anhänger des Vereins fühlten sich sofort angesprochen und das weltweit. Ich würde mir wünschen, dass wir so eine Reise in jedem Jahr unternehmen können, um an dem Familiengefühl zu arbeiten. Bezugnehmend auf die „St. Pauli Familie“ – alle Reisenden hat auch die Liebe zum Verein zu dieser Reise gebracht. Nicht zum Selbstzweck, denn die Trinkwasserprojekte stehen klar im Vordergrund.“

Text und eingesammelte Stimmen: Jannes Vahl (clubkinder e.V.) und Oke Göttlich. Weitere Mitreisende: Ansgar Holtmann, Moritz Meier beide Viva con Agua, Hans Bailer (Welthungerhilfe)

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