Michael Fritz und Stephan Schneider auf Reisen

stephan schneider
Dorfbevölkerung
stephan schneider
welthungerhilfe
Bau eines Wassertanks
welthungerhilfe
Installation einer Wasserleitung
9. Projekt: Pasobullo, Ecuador
Ziel: Bau einer Trinkwasserversorgungsanlage
Kosten: 50.000 Euro
Nutzer: 430 Menschen
Partner: DWHH, Conley's
Start: 18.06.2008
Status: Finanziert, in Bau
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Entwicklungsland Ecuador


Unser Ziel ist die verbesserte Trinkwasserversorgung der ländlichen Bevölkerung in Pasobullo
 

 
stephan schneider
Micha und Stephan im September 2008 in Pasobullo
Update vom 13.10.2008: Die Trinkwasserversorgungsanlage befindet sich bereits im Bau - persönliche Eindrücke von der erst kürzlich stattgefundenen Reise in das Projektdorf gibt es hier:
Viva con Agua und Conley's in Ecuador

Projektgebiet Pasobullo

Das Dorf Pasobullo zählt zum Einzugsbereich von Zumbahua, einer einkommensschwachen und infrastrukturell unterversorgten Landgemeinde des Hochlandkantons Pujili am Westhang der Zentralprovinz Cotopaxi. Die Bevölkerung Pasobullos und Umgebung gehört der indigenen, quechua-sprachigen Minderheit und den untersten Einkommensschichten Ecuadors an.

Projektziel

Projektziel ist die Erstellung einer technisch einfachen und optimal betriebenen Trinkwasserversorgungsanlage. Hierfür soll die Infrastruktur, bestehend aus drei Quellfassungen, einer Hauptzuleitung, einem Reservoir mit Desinfektionskammer und einem Verteilernetz gebaut werden.

Somit können alle 90 Haushalte (433 Personen) der Dorfgemeinschaft mit ausreichend sauberem Wasser (40 Liter täglich pro Person) versorgt werden. Ziel ist eine Verbesserung der Trinkwasserversorgung, der Gesundheit und Hygiene und damit einhergehender Verringerung der Kindersterblichkeit.

Politischer Hintergrund

Seit Januar 2007 hat Ecuador mit Rafael Correa einen neuen Präsidenten. Es ist abzuwarten, ob es Correa gelingen wird, die permanente Instabilität des Landes und dessen verkrustete politische Strukturen zu überwinden sowie seine umfassende Reformagenda durch zu setzen. Correas Regierungsfähigkeit hängt von der Kooperationsbereitschaft der Legislative ab, in der verschiedene Parteien eine Obstruktionspolitik betreiben. Bereits jetzt wird die angekündigte Einberufung einer Verfassung gebenden Versammlung, in der neben den politischen Parteien die zivilgesellschaftlichen Organisationen vertreten sein sollen, sehr emotional und kontrovers diskutiert. Um sie Unterstützung der Bevölkerung zu erhalten, wird Correa greifbare und schnelle Ergebnisse im sozialen Bereich vorweisen müssen.

Im Human Development Report 2006 lag Ecuador auf Platz 83 (zum Vergleich 1999: 72). Die Ungleichverteilung der Einkommen hat sich verschärft. Unter Armut leiden 64,2 % der ländlichen Bevölkerung, doch in abgelegenen Regionen sind es bis zu 90 %, vor allem unter der kleinbäuerlichen, indigenen Bevölkerung der Hochlandprovinzen.

Geringe Versorgung mit sauberem Trinkwasser

Die Versorgung der Hochlanddörfer mit Basisdiensten wurde in den letzten Jahren kaum verbessert, im Bildungs- und Gesundheitswesen hat sie sich aufgrund drastischer Haushaltskürzungen sogar verschlechtert. Ursache weit verbreiteter Infektionskrankheiten ist daher immer noch die mangelnde Versorgung mit sauberem Trinkwasser für 70 % der ländlichen Bevölkerung. Für die Verbesserung dieser Situation setzt sich mit dem Trinkwasserprojekt für das Dorf Pasobullo die Partnerorganisation der Welthungerhilfe ein, das Centro Andino de Acción Popular (CAAP).

Die Lebensbedingungen der Menschen von Pasobullo

Pasobullo liegt 60 km vom Hauptort des Kantons Pujili entfernt und erstreckt sich zwischen 3.600 und 3.400 Metern Höhe. Administrativ gehört die Dorfgemeinschaft zur parroquia Zumbahua, eine der 20 ecuadorianischen Landgemeinden mit dem niedrigsten Grad der Grundbedürfnisbefriedigung (von insgesamt 965).

Von den 433 Einwohnern sind 95 % quechua-sprachige Indigenas und knapp 35 % unter 15 Jahren. Bei gleich bleibender Wachstumsrate, von geschätzten 0,58 %, wird die Einwohnerzahl des Dorfes bis 2027 auf 486 heranwachsen.

Die internen Belange der Dorfgemeinschaft werden vom traditionellen Cabildo gelenkt, für öffentliche Aufgaben sind die Verwaltungen von Zumbahua und Pujili zuständig. Den Betrieb des geplanten Versorgungssystems wird das bestehende Trinkwasserkomitee leiten, entsprechend der gesetzlichen Regelung für ländliche Trinkwasseranlagen.

Die Familien leben von der Landwirtschaft (Anbau von Hülsenfrüchten, Gerste, Zwiebeln und Knoblauch, Schafhaltung) und der Wanderarbeit, die hauptsächlich in die Plantagenwirtschaft des subtropischen Teils der Provinz Cotopaxi führt.

Mangelnde Versorgung und Gesundheitsrisiken

Die Dorfgemeinschaft von Pasobullo schöpft ihr Trink- und Haushaltswasser aus den nächstliegenden Bächen und Tümpeln. Für den menschlichen Konsum ist dieses Wasser nicht geeignet, und die herbei getragenen Mengen sind für ein Mindestmaß an Hygiene völlig unzureichend. Das Wasserholen obliegt den Frauen und Mädchen. Sie tragen das Wasser heran für den eigenen Haushalt und für die gelegentliche Reinigung der Latrinen der Dorfschule. Neben der damit verbundenen physischen Belastung und dem Zeitaufwand ist das Wasserholen aus den Gebirgsbächen in der Regenzeit gefährlich.

Die begrenzte Wasserverfügbarkeit und der nachgewiesene Verseuchungsgrad der zugänglichen Wasservorkommen mit Parasiten, Pilzen und Kolibakterien, stellenweise auch mit chemischen Stoffen aus der Landwirtschaft sind Ursache häufig auftretender Darm- und Infektionskrankheiten.

Darmerkrankungen und akute Diarrhöen sind eine der behebbaren Hauptursachen für die hohe Kindersterblichkeit von 99,5 Pro Tausend, die der Einzugsbereich von Zumbahua aufweist. 40 % der Todesfälle von Kindern und Erwachsenen sind auf parasitäre und infektiöse Erkrankungen, daneben auf Atemwegskrankheiten zurückzuführen. Eine ärztliche Behandlung wird oft aus Kostengründen vermieden (Transport, Medikamente). Die Mehrarbeit durch den Ausfall und die Pflege kranker Familienmitglieder lastet auf den Frauen. Die Erkrankung Erwachsener bedeutet Einkommenseinbußen für den Familienhaushalt.

Das Projekt

Durch den Bau und die Inbetriebnahme einer Trinkwasserversorgungsanlage sollen die Bewohner von Pasobullo dauerhaften Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten und damit auch ihren allgemeinen Gesundheitszustand verbessern. Folgende Maßnahmen und Aktivitäten sind daher geplant:

  • Untersuchung lokal vorhandenen Steinmaterials
  • Organisation der freiwilligen Arbeit der Dorfgemeinschaft
  • Bau von Quellfassungen auf dem oberhalb der Ortschaft gelegenen Gemeinschaftsland
  • Aushub der Zuleitungsstraße von den Quellfassungen zum Reservoir, Rohrverlegung, Installation der Formstücke mit Facharbeitern und Helfern des Dorfes
  • Bau eines Wasserreservoirs mit einem Fassungsvermögen von 20 m3 und einer Desinfektionsanlage mit Facharbeitern und Helfern des Dorfes, inklusive Analyse von Betonproben
  • Aushub des Verteilernetzes, Rohrlegung, Installation der Schlauchanschlüsse der Haushalte und der Messgeräte mit Facharbeitern und Helfern des Dorfes
  • Durchführung von Probeläufen zur Überprüfung von Hydraulik und Dichtheit der Leitungsrohre
  • Prüfung der Desinfektionsanlage und Analyse von Wasserproben
  • Abnahme der Anlage durch die Munizipverwaltung und Aufnahme des Betriebs

Darüber hinaus soll das Projekt die lokale Selbstverwaltungskapazität stärken. Besondere Sorgfalt wird daher auf die Auswahl und Schulung des Personals der Betreiberorganisation und die aktive und mitbestimmende Einbeziehung der Bevölkerung in Ausarbeitung, Diskussion und Verabschiedung der Betriebs- und Tarifregelungen gelegt.

Christian Wiebe
Viva con Agua de Sankt Pauli

9. Projekt: Pasobullo, Ecuador
Ziel: Bau einer Trinkwasserversorgungsanlage
Kosten: 50.000 Euro
Nutzer: 430 Menschen
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